Warum Sie keinen Innovationsmanager brauchen

Es klingt zunächst nach einer vernünftigen Strategie, eine Stelle zu schaffen, die Verantwortung für Innovation im Unternehmen hat. Doch nicht immer ist das die richtige Entscheidung. Lesen Sie in diesem Artikel, warum ein Innovationsmanager unter Umständen keinen Unterschied macht oder sogar schaden kann.

Innovation ist Trend

Es gehört zum Trend der letzten Jahre, innovativ zu sein. Wenn alle Wettbewerber groß verkünden, innovativ zu sein, kann man ja schlecht davor die Augen verschließen. Also muss jemand her, der sich darum kümmert, denn man selbst hat ja gar nicht die Zeit, sich um so was auch noch einen Kopf zu machen. Es wird eine Stelle geschaffen, die einen wohlklingenden Titel wie Innovationsmanager, Chief Innovation Officer oder Vizepräsident für Innovation bekommt. Die Stelle wird mit einem ordentlichen Budget ausgestattet und direkt dem Geschäftsführer unterstellt. Damit wird die hohe Bedeutung des Themas Innovation betont. Alles richtig gemacht, oder? Wundern Sie sich nicht, wenn in so einer Konstellation die Innovationen ausbleiben.

Was macht ein Innovationsmanager?

An Innovationsmanager gibt es je nach Unternehmenskultur ganz unterschiedliche Anforderungen. Üblicherweise wird das Aufgabengebiet als Schnittstelle zwischen Entwicklung und Marketing beschrieben. Der Innovationsmanager soll die Entscheidungsfindung über Innovationsvorhaben vorbereiten, Innovationen gegen Widerstände im Unternehmen durchsetzen und die Wissensströme im Unternehmen beherrschen (Quelle). Dazu braucht es technischen Hintergrund, um die Innovationsideen überhaupt verstehen und bewerten zu können, andererseits aber auch Marktkenntnis, Gespür für Trends und Nähe zu den Kunden, um die Vermarktungschancen der Innovationen zu beurteilen.

„Der Innovationsmanager entwickelt Bedürfnisperspektiven, die den Findungsprozess neuer Innovationen erleichtern.“ wird Knut Blind, Professor für Innovationsökonomie, von der ZEIT zitiert. Er oder sie sucht also auf der einen Seite die Lücken im Angebot, die durch Innovationen geschlossen werden können. Auf der anderen Seite sucht sie oder er nach Ideen, das Angebot zu verbessern und diese Lücken zu schließen. Maria Tagwerker-Sturm zählt in einem Blogbeitrag sogar zwölf Rollen auf, die ein Innovationsmanager im Unternehmen ganz oder teilweise ausfüllen kann. Dazu zählen Aufgaben aus den Bereichen Ideenfindung und Ideenentwicklung sowie Marktforschung und Vermarktung, aber auch Qualitätsmanagement, Prozessoptimierung, Projektmanagement oder Fördermittelsuche.

Das Aufgabengebiet ist also vielschichtig und es wird sehr auf die konkrete Unternehmenssituation ankommen, was für eine Rolle der oder die Innovationsmanager/-in spielt. Überwiegend wird aber die Rolle als Innovations-Ermöglicher gesehen, zu dessen Aufgaben es zählt, Ideen zu sammeln oder zu generieren und deren Umsetzung und Vermarktung zu unterstützen. Ob das funktioniert und vor allem, ob das Unternehmen davon profitiert, hängt von den Verantwortlichen ab: Vom Innovationsmanager bzw. der Innovationsmanagerin und deren Vorgesetzten.

Das Dilemma der Innovationsmanager

Jeffrey Baumgartner hat in einem Beitrag seines eJournals Report 103 das Dilemma der Innovationsmanager beschrieben. Eine Innovationsmanagerin (Beispiel), die sich ernsthaft und engagiert für wirklich kreative, bahnbrechende Innovationen einsetzt, wird schon bald etlichen Kollegen auf die Füße treten. Mitarbeitern, die ihre Arbeitsweise radikal ändern müssen; Kollegen, deren Job durch die Innovation überflüssig wird; Vorgesetzten, die Geld in riskante Ideen investieren sollen, von denen nur jede siebte Erfolg hat. Sie ist immer der Stachel im Fleisch des Unternehmens und stört den schön eingefahrenen Ablauf des „Das haben wir doch schon immer so gemacht.“

Als Folge wird sie entweder bald durch eine weniger ambitionierte und damit weniger anstrengende Person ersetzt oder sucht sich frustriert selbst einen anderen Job. Zum Unternehmenserfolg kann sie in diesem Umfeld nichts beitragen. Oder sie passt sich an und arbeitet fortan nur noch an inkrementellen Verbesserungen, die niemandem weh tun, aber das Unternehmen auch nicht voran bringen. Sie sammelt viele Ideen, um Innovationsaktivität zu demonstrieren und unterstützt nur noch solche Ideen, die nicht zu riskant sind. Auch in diesem Szenario bleibt der Erfolg der Innovationsaktivitäten wahrscheinlich aus.

Die Position eines Innovationsmanagers hat in dieser Konstellation nur eine Daseinsberechtigung: Nach außen zu demonstrieren, dass Innovation einen hohen Stellenwert besitzt. Da der Innovationsmanager in so einem Unternehmen nichts erreichen kann, schadet diese Funktion eher, denn die Geschäftsführung kann alle Verantwortung für Innovation auf den Innovationsmanager abschieben. Damit liegt die Zukunft des Unternehmens in Händen, die gebunden sind.

Das Paradies für Innovation

Was die Möglichkeiten der Einflussnahme durch die oder den Innovationsmanager/-in beschränkt, ist hier die fehlende Rückendeckung der Führungsetage und die fehlende Akzeptanz der Mitarbeiter. Stellen Sie sich ein anderes Unternehmen vor, in dem Innovation den Kern der Unternehmenskultur darstellt. Die Mitarbeiter werden ermutigt, Ideen einzubringen, das Unternehmen hat eine klare Zukunftsvision sowie eine Stragegie, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen und die Geschäftsführung stellt auch Mittel für riskante Entwicklungsprojekte zur Verfügung. Mitarbeiter, die ihre Ideen und ihre Kreativität zum Nutzen der Firma einbringen, werden gefördert und belohnt. Für gescheiterte Projekte muss niemand auf eine Beförderung verzichten, es wird stattdessen sachlich ausgewertet, worin die Gründe für das Scheitern lagen, damit man es in Zukunft besser machen kann. In so einem Umfeld könnte ein Innovationsmanager sicher viel besser arbeiten, oder?

In diesem Umfeld ist ein Innovationsmanager meiner Meinung nach überflüssig. Die Geschäftsführung hat die Wichtigkeit stetiger Veränderung erkannt, Ideen brauchen also keinen Anwalt, der sie gegenüber der Geschäftsführung verteidigt. Die Strategie des Unternehmens ist klar und wird offen kommuniziert, so dass von vornherein Ideen gefördert werden können, die zum Erreichen der Unternehmensziele beitragen. Projektverantwortung stellt ein Instrument der Förderung innovativer Mitarbeiter dar. Ideen kommen von Mitarbeitern oder gar von Kunden. Was bleibt da für den Innovationsmanager zu tun?

Extreme und Realität

Wer die Stelle eines Innovationsmanagers schafft und die Verantwortung für Innovation damit abgibt, muss sich im Klaren sein, dass man damit die Verantwortung für die zukünftige Entwicklung des Unternehmens aus der Hand gibt. Wer diesem Innovationsmanager dann nicht genug Rückendeckung gibt, bremst die Unternehmensentwicklung gleich ganz aus. Wer Innovation in der Unternehmens-DNA verankert hat, der braucht den Innovationsmanager nicht mehr. Die meisten Unternehmen in der Realität werden irgendwo dazwischen liegen. Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen gilt: Statt einen Innovationsmanager zu beschäftigen sollte Innovation lieber zur Chefsache gemacht werden. Der Geschäftsführer sollte sein Unternehmen nicht nur verwalten, sondern selbst aktiv auf zukünftige Märkte, zukünftige Kunden und zukünftige Produkte ausrichten, indem eine Kultur für Innovation geschaffen wird und durch eine gemeinsame Vision der Kurs vorgegeben wird. Nur so wird das Überleben dauerhaft gesichert.

Wann Sie wirklich einen Innovationsmanager brauchen

In Ihrem Unternehmen laufen bereits mehrere Innovationsaktivitäten, allerdings unkoordiniert, wenig zielgerichtet oder ohne Bezug zur Unternehmensstrategie? In Ihrem Großunternehmen sind viele Abteilungen mit Innovationsaktivitäten beschäftigt und es fällt schwer, alle gleichermaßen im Blick zu haben? Das sind Fälle, in denen Innovationsmanager sinnvoll eingesetzt werden können. Übertragen Sie ihnen nicht die Verantwortung für Innovation im Allgemeinen, sondern für die Umsetzung konkreter Innovationsvorhaben oder das Erreichen konkreter Entwicklungsziele. Und vor allem: Geben Sie ihnen den nötigen Freiraum und Rückendeckung, sonst schaden Innovationsmanager Ihrem Unternehmen mehr, als dass sie nutzen.

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